Buergerkapelle Bad Ischl
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Chronik

1868

Die Gründung der Bürgerkapelle:

Als im Jahre 1868, kurz nach der Konstituierung des Ischler Turnvereins dessen Vorstand, der spätere verdiente Bürgermeister Ischls, Franz Koch, den Impuls zur Gründung einer Turnerkapelle gab, ahnte er wohl kaum, dass damit die Keimzelle zu einem der beliebtesten Musikvereine, zur Bürgerkapelle, geschaffen wurde. Zunächst wirkte diese von dem damaligen Musikwart Anton Dallinger geleitete Kapelle zu deren materieller Fundierung Franz Koch eine großzügige Geldspende von 100 Gulden flüssig gemacht hatte, in der Hauptsache bei internen Veranstaltungen des Turnvereins, bei Turnerkränzchen, Vereinsabenden und ähnlichen Festlichkeiten.

1870

Als aber im Mai 1870 eine Turnerfahrt nach Traunkirchen durchgeführt werden sollte, an der die Musikkapelle auf Grund "eingetretener Hindernisse" (durch das Fehlen zweier Musiker waren führende Stimmen unbesetzt, so dass Dallinger die Musik für spielunfähig erklärt hatte) nicht teilnehmen konnte, kam es zwischen dem Turnrat und den Mitgliedern der Turnerkapelle zu einem folgenschweren Zerwürfnis. Daraufhin sah sich der Turnerrat veranlasst, in einem, mit 1. Juni 1870 datierten Schreiben die Mitglieder der Turnermusik aufzufordern, mit "Ja" oder "Nein" zu erklären, ob sie ferners bei der Turnerkapelle mitwirken wollen oder nicht. Ist letzteres nicht der Fall, hieß es in dem Brief weiter, so werden die Herren Mitglieder ersucht, die im Besitz habenden Vereins-Instrumente ihren schriftlichen Verpflichtungen gemäß an den Verein abzuliefern.
Trotz Dallingers Bestreben, den entstandenen Zwist beizulegen, vertiefte sich die Kluft zwischen Kapelle und Turnrat zusehends. Unter diesen Umständen legte Dallinger seine Funktion als Musikwart zurück und stellte nach zweimaliger schriftlicher Aufforderung durch den Turnverein dessen Instrumente und Musikalienschatz zur Verfügung des Turnrates. Damit hatte die Turnerkapelle zu bestehen aufgehört, zugleich bedeutete dieser Schritt die Geburtsstunde der Bürgerkapelle Bad Ischl.
Dallinger und seine Musiker, von dem Wunsch getragen, dass die Kapelle, welcher man den Namen "Bürger - Capelle" geben wollte, möglichst schnell zustande komme, ließen es an Eifer und festem Willen nicht fehlen, wenngleich ihnen freilich die Hauptsache für das gemeinsame Musizieren noch fehlte, die Instrumente. Durch große persönliche Opfer jedes einzelnen Mitgliedes und durch die vielen Gönner, die sich dem neu gegründeten Unternehmen bald zuwandten, waren diese Hindernisse schnell überwunden und bald hatte Herr Dallinger eine hinreichende Summe gesichert, die ihm den Instrumentenkauf ermöglichte

4. August und 21. November 1870

Dank der großzügigen Unterstützung wohlhabender Ischler Bürger besaß das junge Blasorchester bald das Niveau und die Leistungsfähigkeit der einstigen Turnerkapelle. Nachdem am 4. August 1870 die erste Probe abgehalten worden war, konnte sich die Bürgerkapelle am 21. November 1870 beim "Bürgerball" in den Lokalitäten zum Bayrischen Hof, zum ersten Mal der öffentlichkeit präsentieren. Nach diesem erfolgreichen Debüt, dem im gleichen Jahr noch drei andere Veranstaltungen folgten, hatte sich die im Gründungsjahr 13 Mitglieder zählende Kapelle rasch die Sympathien der Ischler Bevölkerung erworben.

1871 - 1872

Die Ära Fallinger

Das Jahr 1871 stand vornehmlich im Zeichen der Pionierarbeit Anton Dallingers. Das Instrumentarium wurde im Zuge der ständig wachsenden Mitgliederzahl weiter ergänzt. So nahm die Bürgerkapelle am 18. August 1871 an den, zu Ehren des Kaisers, veranstalteten Festlichkeiten Teil. Mit steigender Popularität der Bürgerkapelle hatten auch die alten Fehden mit dem Turnverein einem überaus freundlichen Einvernehmen Platz gemacht, so dass die Bürgerkapelle im Jahre 1872 die Instrumente des Turnvereins erstand.

1872 - 1874

Als bedeutendes Ereignis des Jahres 1872 ist wohl die Einführung jenes, inzwischen Tradition gewordenen und bis zum heutigen Tage praktizierten Maiweckrufes der Bürgerkapelle anzusehen. Der enorme Aufschwung, den die Bürgerkapelle im ersten Jahr ihres Bestandes zu verzeichnen hatte, war wohl nicht zuletzt der Verdienst jenes Mannes, der dem Blasorchester mehr als 20 Jahre hindurch mit viel Elan und Sachkenntnis vorstand: Anton Dallinger. Seines Zeichens bürgerlicher Schuhmachermeister, galt er als ausgezeichneter Musiker und war, neben seiner Eigenschaft als Kommandosignalhornist der Freiwilligen Feuerwehr auch dem Männergesangsverein, dem Ischler Musikverein und dem Kirchenchor angehörend, unstreitig eine allseits bekannte und beliebte Persönlichkeit im Ischler Musikleben seiner Zeit. So wurde ihm anläßlich eines Ständchens zum Namenstag im Jahr 1874 der "Ehrenring der Bürgerkapelle" verliehen.

1876 -1892

Als sich 1876 die finanzielle Situation stabilisierte konnte man am 15. Juni mit neuen Uniformen ausrücken. In den darauffolgenden Jahren wurde die Bürgerkapelle hauptsächlich von den Ischler Vereinen in Anspruch genommen. Am 4. Mai 1890 rückte die Bürgerkapelle zur Kirchenparade und anschließend zur Festkneipe der Feuerwehr aus. Dabei kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall. Bei besagter Veranstaltung war der 1. Flügelhornist so berauscht und boshaft, dass nach dem dritten Stück Schluss gemacht werden musste, woraufhin sich die anderen Mitglieder nicht mehr bereiterklärten mit diesem zu musizieren. Dallinger sah sich veranlasst das Vereinsleben vorübergehend stillzulegen. Es zeugte jedoch von kompromissloser Zielstrebigkeit, wenn Kapellmeister Dallinger im November 1890 die Bürgerkapelle mit einem stark reduzierten Personalstand von 16 Mann wieder reaktivieren konnte und die Kapelle schon in den beiden folgenden Jahren eine Reihe größerer Veranstaltungen absolvieren konnte. Dennoch war Dallingers neuerliche Aufbauarbeit bereits von seiner schweren Krankheit überschattet und als am 5. November 1892 der langjährige Kapellmeister seinen Dirigentenstab für immer aus der Hand legte, endete auch für dir Bürgerkapelle ein glänzendes Kapitel Vereingeschichte.

1901 - 1909

Für die Bürgerkapelle waren die folgenden Jahre unter Josef Sams und Franz Hödlmoser sen. eine schwierige Zeit bis 1902 Adolf Zeiler, ein Steirer aus beruflichen Gründen nach Ischl kam. Er galt als qualifizierter und agiler Kapellmeister und verstand es, durch die Gewinnung guter Kräfte die Bürgerkapelle auf eine leistungsfähige Stufe zu stellen. In den Jahren 1904 - 1907 war Zeiler bei der Regimentsmusik des Infanterie-Regimentes Nr. 27 in Laibach tätig. Liegt das Schwergewicht seiner Kapellmeistertätigkeit auch in den Jahren nach seiner Militärzeit, also nach 1907, so konnte Zeiler doch schon in den ersten Jahren seines Wirkens bei zahlreichen Veranstaltungen seine Fähigkeiten beweisen. In den Jahren 1908/09 erreichte die Bürgerkapelle unter Adolf Zeiler einen absoluten Höhepunkt, sowohl in personeller wie auch in künstlerischer Hinsicht. Der Mitgliederstand war in kürzester Zeit auf 42(!) angewachsen und die künstlerischen Ereignisse überstürzten sich.

1908

Noch ein zweites bemerkenswertes Ereignis fällt in das Jahr 1908: die Gründung eines 23 Mann starken Streichorchesters der Bürgerkapelle, das sich nach seinem erfolgreichen ersten Auftritt am 22. November 1908 besonderer Beliebtheit erfreute und schon im folgenden Jahr ein halbes Dutzend Veranstaltungen abwickelte. Das Streichorchester hatte seinen Bestand bis Mitte der 30er Jahre. Die so glanzvolle und erfolgreiche Periode unter Zeiler aber sollte mit dessen Ausscheiden aus dem Verein ein jähes Ende finden. Zwar hatte der Vorstand der Kapelle durch ein Gesuch an die Gemeindevorstehung betreff Anstellung Zeilers in den Gemeindedienst versucht, sich den umsichtigen und tatkräftigen Kapellmeister weiter zu sichern, da dieses Ansuchen aber von Seite der Gemeinde nicht positiv beschieden wurde, verlor die Bürgerkapelle einen ihrer fähigsten Kapellmeister.

1914 - 1939

Trotz erfolgreichen Tätigkeiten von weiteren 3 Kapellmeistern musste die Kapelle am 26. Juli 1914 stillgelegt werden. Die erste Ausrückung nach dem 1. Weltkrieg fand am 1. Mai 1920 unter großem Beifall der Ischler Bevölkerung statt. Die Jahre zwischen 1920 und 1939 waren für die Bürgerkapelle unter den 5 Kapellmeistern, trotz des Neubaus des Probezimmers 1920, eine schwierige Zeit. Wenngleich 1937/38 das politische Fluidum vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auch die Vereinstätigkeit der Bürgerkapelle überschattete, war man doch sowohl in künstlerischer und gesellschaftlicher Hinsicht äßerst aktiv. Im April 1939 versuchte man noch krampfhaft, durch die Fusionierung von Bürgerkapelle und Jainzner Musikkapelle den Musikbetrieb aufrecht zu erhalten, doch musste man schließlich - als im September dieses Jahres deutsche Truppen in Polen einmarschierten - von der Sinn- und Zwecklosigkeit dieses Versuches überzeugt, aufgeben.

1947 - 1956

Neubeginn nach dem 2.Weltkrieg:

Am 10. August 1947 wurde die erste Sitzung nach dem 2. Weltkrieg, wo 16 einstige Mitglieder teilnahmen, abgehalten. Nach Kapellmeister Hödlmoser Franz jun., Schmoller Martin und Vogthenhuber Josef wurde am 19. Jänner 1956 Hans Kefer mit der Leitung der Kapelle betraut.

1956 - 1979

In Hans Kefer, dem einstigen Berufsmusiker, den praktische Orchestererfahrung und musiktheoretisches Wissen zur Ausübung dieser Funktion prädestinierten, gewann die Bürgerkapelle wieder einen umsichtigen und zielstrebigen Leiter. Seine Fähigkeiten und Führungsqualitäten ist es wohl in erster Linie zuzuschreiben, dass die Kapelle schon nach kurzer Zeit bei einem in Ischl veranstalteten Bezirksmusiktreffen mit Keler-Belas` "Französischer Lustspielouvertüre" den ersten Rang erzielte. Darüber hinaus hat Hans Kefer während seiner 20 jährigen Kapellmeistertätigkeit (1956-1970, 1975-1979) ca. 50 Schüler unterrichtet, von denen derzeit noch 6 als aktive Mitglieder tätig sind. Die harte und konsequente Probenarbeit unter Hans Kefer trug sehr bald Früchte und viele Ischler Vereine sicherten sich bei ihren Veranstaltungen gerne die Mitwirkung der Ischler Bürgerkapelle. Ja selbst Professor Macku`s Kurorchester, das im Zusammenwirken mit der Bürgerkapelle im August 1962 Carl Michael Ziehrers Tongemälde "Der Traum eines österreichischen Reservisten" im Kurpark effektvoll realisierte. Unter seiner Zeit wurde die völlige Neuinstrumentierung durchgeführt, die Anschaffung neuer Uniformen, neuer Mäntel, Caccos, Federn, sowie die Erneuerung und überarbeitung des Notenarchivs. Die Kapelle wird Hans Kefer stets in gebührenden Andenken halten.

1979 - 1996

Am 16. Februar 1979 wurde Wolfgang Bobowski, der seit 1976 Kapellmeisterstellvertreter war, zum neuen Kapellmeister gewählt. In seine ära als Kapellmeister der Bürgerkapelle Bad Ischl fielen viele Erneuerungen und Neustrukturierungen des Vereins. Unter seiner 18jährigen Kapellmeistertätigkeit (1979-1997) wurden 11 Wertungsspiele des österreichischen Blasmusikverbands bestritten, davon 5 mit "Ausgezeichnetem Erfolg". Weiters wurde unter Bobowski´s Leitung der erste Tonträger der Bürgerkapelle "Hofkonzert in Bad Ischl" im April 1994 in der neurenovierten Musikschule, wo er als Musikschulleiter tätig ist, aufgenommen. Ein besonderes Erlebnis war jedoch für Bobowski und eine Gruppe der Bürgerkapelle die Reise nach Kanada wo sie bei der Eröffnung der Ranch von Herrn Joseph Kuchar (Ein gebürtiger Alt - österreicher) eingeladen war um den musikalischen Part zu bestreiten. Darüber hinaus konnte er im Mai 1996 die erste Probe ihm neuen geräumigen Probesaal in der Schulgasse verrichten.
Aber selbst der opferbereite, persönliche Einsatz jedes einzelnen Mitgliedes, vom Kapellmeister bis zum Bannerträger, hätte nicht das so erfolgreiche öffentliche Wirken der Bürgerkapelle ermöglicht, wären den Kapellmeistern nicht stets jene tatkräftigen Männer zur Seite gestanden, die die Geschichte und Geschicke des Vereins in organisatorischer, administrativer oder kommerzieller Hand zu lenken wussten. Allen genannten, aber eben so sehr den vielen hier ungenannt bleibenden Vereinsmitgliedern, die ihre Tatkraft und ihren Enthusiasmus in den Dienst der Ischler Bürgerkapelle stellten und stellen, verdankt das Blasorchester seine Stellung als anerkannter Faktor im Musikleben nicht nur der Kurstadt Bad Ischl, sondern darüber hinaus auch des gesamten Salzkammergutes. Damit schließt sich der Kreis meiner historischer Darstellung, von vier bemerkenswerten Kapellmeistern der Bürgerkapelle, an jenem Punkt, wo Rückblick zum Ausblick, wo die Bilanz einer ereignisreichen Vergangenheit zur grundlegenden Voraussetzung für eine erfolgreiche Zukunft unter Kapellmeister Christian Binder wird. Von den beherzten Gründungsimpulsen und der souveränen Führung Dallingers angefangen, spannte sich der Bogen der Zeit von den künstlerischen Höhepunkten unter Zeiler um die Jahrhundertwende und der ausgezeichneten Führung Kefers und Bobowskis bis herauf zum neuerlichen Aufschwung um die Jahrtausendwende.

Quellenverzeichnis: Chronik Protokollbücher der Bürgerkapelle Bad Ischl, Chronikzusammenfassung von Prof. Dr. Eugen Brixel